EIN AUGE FÜR DIE WELT – Die Filme von Satyajit Ray

Satyajit Ray (1921-1992) war der erste Regisseur aus Indien, der globale Anerkennung fand. Als Graphiker, Musiker, Schriftsteller und Regisseur gleichermaßen begabt, schuf Ray ein Werk, das alle Grenzen überschreitet: Die der Gattungen und Künste ebenso wie die der Kulturen. In der Lecture & Film-Reihe „Ein Auge für die Welt. Das Kino von Satyajit Ray“ gehen Kenner:innen dieses Werks der Frage nach, was Ray im Zeitalter nach der Globalisierung weiterhin wegweisend macht.

Organisiert vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt und dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Zusammenarbeit mit ConTrust – Vertrauen im Konflikt.

Kuratiert von Ritika Kaushik, Vinzenz Hediger und Daniel Fairfax

Unterstützt durch die hessische Film- und Medienakademie, Goethe-Universität Frankfurt, den Verein der Freunde und Förderer der Goethe-Universität und die Stiftung zur Förderung der internationalen Beziehungen

Weitere Informationen und Tickets: Hier…
Weitere Informationen auch unter: https://satyajit-ray.de

Die Vorträge und Filmvorführungen finden im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt statt.

Mit Ausnahme des Auftaktvortrags am 26. Oktober finden alle Vorträge der Reihe in englischer Sprache statt.

Programm (PDF): Hier…

Programm

26. Oktober 2023 ab 20.00 Uhr
Rays Weltkino: Zur Genealogie von PATHER PANCHALI – Vinzenz Hediger (Frankfurt)
Satyajit Rays erster Film machte nicht nur seinen Regisseur berühmt, er war auch der erste Film aus Indien, der beim Publikum in Indien erfolgreich war und den zugleich Kritik und Cinephile in Europa und den USA mit ihren eigenen Kategorien einzuordnen vermochten. Woher rührt diese doppelte Resonanz? Ray selbst denkt über Kunst in Begriffen von Stammbaum und Herkunft. Eine Genealogie seiner eigenen Kunst führt zurück in die komplexe Modernität Bengalens.

Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt

Film: PATHER PANCHALI (Lied der Strasse), Indien 1955, 120 min.

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2. November 2023 ab 20.00 Uhr
Sinnliche Attraktionen auf der Landstraße: Satyajit Rays ABHIJAAN – Ravi Vasudevan (Delhi)
Baufällige Autos rasen über löchrige Landstraßen, Taxifahrer verlustieren sich in billigen Bars, Zuhälterei und Opiumhandel, sinnliche Attraktionen und Faustkämpfe: Satyajit Ray und sein Hauptdarsteller Soumitra Chatterjee laden uns ein in eine Welt von körperlichen Impulsen und Räumen jenseits dessen, was man sonst mit Rays Oeuvre in Verbindung bringt.

Der Filmhistoriker Ravi Vasudevan ist der Co-Leiter von Sarai, dem medienwissenschaftlichen Forschungsprogramm des Centre for the Study of Developing Societies Delhi und Mitbegründer der Zeitschrift Bioscope: South Asian Screen Studies .

Film: ABHIJAAN (Die Expedition), Indien 1962, 145 min.

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23. November 2023 ab 20.00 Uhr
Der Rachen Kalkuttas: Die indische Neue Welle in Satyajit Rays PRATIDWANDI – Bishnupriya Ghosh (Santa Barbara)
PRATIDWANDI (Der Rivale) ist ein scharfsichtiges Porträt von Rays gelibter Heimat – stadt Kalkutta im politischen und sozialen Umbruch. Der Film ist aber auch Rays Auseinandersetzung mit dem neuen indischen Kino und dem Third Cinema. Die Erkundung von politischer Subjektivität, Männlichkeit und sozialem Niedergang geht dabei einher mit ästhetischen Experimenten im Umgang mit dem Stil und den Techniken der internationalen neuen Wellen.

Bishnupriya Ghosh lehrt globale Medien an der University of California, Santa Barbara.

Film: PRATIDWANDI (Der Rivale), Indien 1970, 110 min.

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7. Dezember 2023 ab 20.00 Uhr
Ray restaurieren: JALSAGHAR und die Geo-Politik der Bewahrung des Kinos – Amrita Biswas (Frankurt)
Wer stiftet und bewahrt den Kanon des Kinos? Geht man der Materialgeschichte von Satyajit Rays JALSAGHAR nach, der die Geschichte des Niedergangs eines musikversessenen Großgrundbesitzers erzählt, dann stößt man auf eine globale Machtordnung der Archivierung, Bewahrung und Restaurierung von Filmen. Am Leitfaden der Reise um die Welt des Kamera-Negativs, des „Originals“ des Films, lässt sich zeigen, dass die Bewahrung des Filmerbes in Rays Fall ein hoch politischer, von erheblichen Machtgefällen geprägter Prozess ist.

Amrita Biswas ist Doktorandin im DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität Frankfurt.

Film: JALSAGHAR (Das Musikzimmer), Indien 1958, 94 min.

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21. Dezember 2023 ab 20.00 Uhr
Der unzeitgemäße Regisseur: Satyajit Rays Stadtfilme und die Krise des Historismus – Rochona Majumdar (Chicago)
Von Zeitgenossen als unpolitisch geschmäht, eröffnen Satyajit Rays Filme gleichwohl radikal neue Wege postokoloniale Gegenwarten und Zukünfte theoretisch auf den Begriff zu bringen. Anhand von JANA ARANYA (Der Vermittler) lässt sich zeigen, inwiefern die Geschichtsschreibung und namentlich das Nachdenken von Historiker:innen über Zeitlichkeit in Rays Filmen vorweggenommen und von diesen auch bereichert wird.

Rochona Majumdar ist Professorin im Department of South Asian Languages and Civilizations sowie für Cinema and Media Studies an der University of Chicago.

Film: JANA ARANYA (Der Vermittler), Indien 1975, 131 min.

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11. Januar 2024 ab 20.00 Uhr
Jenseits des Romanhaften: Kanchenjungha am Scheideweg – Parichay Patra (Jodhpur)
„Dieser Film hätte kein Roman sein können…“: So sprach Satyajit Ray über KANCHENJUNGHA von 1962, der eine Familiengeschichte aus der Sommerfrische in Darjeeling erzählt und in Indien und darüber hinaus nur lauwarm aufgenommen wurde. Im Licht des kolonialen Erbes und der komplexen Modernität des indischen Romans lässt sich die merkwürdig zurückhaltende Aufnahme, die der Film fand, gerade auf seine Zurückweisung des Romanhaften und seine Anleihen beim transnationalen Kino der 1960er zurückführen.

Parichay Patra lehrt an der School of Liberal Arts and Indian Institute of Technology in Jodhpur, India.

Film: KANCHENJUNGHA , Indien 1962, 97 min.

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18. Januar 2024 ab 20.00 Uhr
Göttin in der Falle – Meenakshi Shedde (Mumbai)
DEVI, den Ray nach der Apu-Trilogie drehte, ist ein Familiendrama über den Konfliktzwischen Glauben und Vernunft. Furchtlos kritisch erzählt Ray eine Umkehrung des Ödipus-Mythos, in der ein feudaler Großgrundbesitzer seine schöne Schwiegertochter zur Inkarnation der Hindu-Götting Kali erklärt und sie im Modus der Verehrung für sich selbst beansprucht.

Meenakshi Shedde ist eine unabhängige Filmkuratorin und Kritikerin aus Mumbai.

Film: DEVI (Die Göttin), Indien 1960, 94 min.

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25. Januar 2024 ab 20.00 Uhr
Ein doppelter Blick auf Klassenverhältnisse: Satyajit Rays SEEMABADDHA – Daniel Fairfax (Frankfurt)
Die Filme von Satyajit Ray’s Kalkutta-Trilogie, die zwischen 1970 und 1976 entstanden sind, beleuchten die gebildete, städtische Burgeoisie seiner Heimatstadt. Realisiert zwischen PRATIDWANDI (Der Rivale, 1970) and JANA ARANYA (Der Vermittler, 1976), kritisiert SEEMABADDHA (Beschränkt) die Korruption, Ausbeutung und moralische Laxheit, die aus Rays Sicht mit dem Aufstieg einer neuen Mittelklasse einhergingen.

Daniel Fairfax lehr Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt.

Film: SEEMABADDHA (Beschränkt), Indien 1971, 108 min.

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2. Mai 2023 ab 20.00 Uhr
Ray jenseits des Realismus: Zum Irrationalen und Nicht-Menschlichen in MONIHARA and DEVI – Meheli Sen (New Brunswick)
Satyajit Rays nimmt in der Forschung zum indischen Kino eine zentrale Stellung ein. Meist werden seine Filme unter den Gesichtspunkten von Humanismus und Realismus gelesen. DEVI und MONIHARA (Die verlorenen Juwelen), das Mittelstück des Episodenfilms Die drei Töchter und Rays einziger Horror-Film, bieten eine Gelegenheit über das Unheimliche und Nicht-Menschliche in seinem Werk nachzudenken.

Meheli Sen ist Associate Professor im Department of African, Middle Eastern, and South Asian Languages and Literature und im Cinema Studies program an der Rutgers University.

Film: MONIHARA (Die verlorenen Juwelen), als Teil von Three Daughters (Die drei Töchter) Indien 1961, 158 min.

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23. Mai 2024 ab 20.00 Uhr
Der Lauf der Welt – Manishita Dass (London)
APARAJITO erzählt zwei miteinander verschränkte Geschichten, die vom aufregenden Aufbruch eines Jungen in die Welt und die vom Verlust seiner Mutter bei seinem Abschied. Der Film lässt sich im Licht von Satyajit Ray eigener Biographie und einer Lebenserfahrung des Kosmopolitismus mit starken Wurzeln in einem besonderen, hybriden kulturellen Milieu in Bengalen.

Manishita Dass ist Reader für Film & Global Media am Royal Holloway, University of London.

Film: APARAJITO(Unbesiegt), Indien 1957, 105 min.

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6. Juni 2024 ab 20.00 Uhr
Zwei Stadtansichten: Ray und Ghatak – Ruchir Joshi (Kolkata)
Realisiert im Abstand von drei Jahren erzählen Rays Mahanagar (The Big City, 1963) und Ritwik Ghataks Meghe Dhaka Tara (Der Wolkenbedeckte Stern, 1960) beide Geschichten von Frauen im Berufsleben. Die beiden Filme zeigen sich überkreuzende, aber radikal unterschiedliche Sichten Kalkuttas nach der Unabhängigkeit und der Aufteilung in Indien und Pakistan. Ghataks Zugang zum Kino und zu Bengalen lässt Rays künstlerische Praxis und Weltsicht in einem anderen Licht erscheinen.

Ruchir Joshi ist Filmemacher, Kolumnist und Schriftsteller in Kolkata.

Film: MAHANAGAR (Die Großstadt), Indien 1963, 128 min.
Film um 18 Uhr: MEGHE DHAKA TARA (Der wolkenbedeckte Stern), Indien 1960, 127 min.

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13. Juni 2024 ab 20.00 Uhr
CHARULATA: Der Blick einer Frau – Priyadarshini Shanker (Wilmington)
Satyajit Rays Charulata (1964) handelt von der Einsamkeit einer jungen Frau, deren ver- mögender Mann in seinen Politik- und Verlagsprojekten aufgeht. Charu (Madhabi Mukherjee) wird dabei zur Figur der Moderne selbst, insofern ihr neugieriger Blick nach Außen zu einem innerlichen Blick wird, der ihre Einsamkeit, ihre Selbstwahrnehmung und Empfindungswelt freilegt.

Priyadarshini Shanker ist Assistant Professor für Filmwissenschaft an der University of North Carolina Wilmington.

Film: CHARULATA (Die einsame Frau), Indien 1964, 112 min.

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27. Juni 2024 ab 20.00 Uhr
Zwischen Verzauberung und Kritik Goopy Gyne Bagha Byne und die Folklore der Moderne – Bhaskar Sarkar (Santa Barbara)
Rays Musical aus dem Jahr 1969, das zu einem seiner größten Hits wurde, basierte auf einer Kurzgeschichte seines Großvaters für das Magazin Sandesh , das dieser 1913 gegründet hatte, um die Qualität der Literatur für Kinder in Bengalen zu verbessern. In seiner Adaption verwandelt Ray diese zauberhafte Geschichte zweier wenig talentierter Musiker in ein Musical. Er stellt dabei die folkloristischen Idiome des Originals in den Vordergrund und beschwört eine besondere benaglische Welt, die aber offen bleibt für den Rest der Welt.

Bhaskar Sarkar ist Professor für Film- und Medienwissenschaft an der University of California Santa Barbara.

Film: GOOPY GYNE BAGHA BYNE (Goopy singt und Bagha spielt), Indien 1969, 114 min.

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11. Juli 2024 ab 20.00 Uhr
Eisen zu Gold: Zum translokalen Anspruch von PARASH PATHAR – Neepa Majumdar (Pittsburgh)
PARASH PATHAR (Der Stein des Weisen) von 1958 ist ein leichtfüßiges Gedankenex – periment, das von Kritik und einem gebildeten Publikum zunächst als Komödie abgetan wurde, die nur von lokalem Interesse sei, die aber Ebenen und Bezüge aufweist, die darüber weit hinaus weisen. Ray sprach gerne davon, wie viel Spaß er beim Drehen hatte. Freude, eher denn Humor, ist denn auch der Schlüssel zur Stimmung dieses Films.

Neepa Majumdar ist Associate Professor für Film- und Medienwissenschaft an der University of Pittsburgh.

Film: PARASH PATHAR (Der Stein des Weisen) Indien 1958, 90 min.

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