Luis Buñuel: Kino am Abgrund der Moderne

Lecture and Film 2022/2023

Luis Buñuel (1900-1983) ist eine Jahrhundertfigur nicht nur des Kinos. Mit UN CHIEN ANDALOU (1928) verlieh er dem Surrealismus sein prägendes Gesicht und dem Kino eine neue Dimension. Wie kein zweiter verstand Buñuel das Kino als Kunst einer revolutionären Einbildungskraft, und wie kein zweiter erkundete er in seinen Filmen die Abgründe der Moderne zwischen utopischer Hoffnung und säkularer Katastrophe.

In der Lecture & Film-Reihe „Luis Buñuel: Kino am Abgrund der Moderne“ führen namhafte Spezialist:innen aus Europa und Nordamerika die vielfältigen Facetten von Buñuels Werk ein, von den frühen surrealistischen Arbeiten über die dokumentarischen Filme der 1930er, die Filme in Mexiko und die großen Werke nach Buñuels Rückkehr nach Frankreich in den 1960ern.

Die Lecture & Film-Reihe „Luis Buñuel: Kino am Abgrund der Moderne“ wird durchgeführt vom Kino des DFF – Deutsches Filmmuseum & Filminstitut und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“, der Forschungsinitiative „ConTrust“ und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ (www. konfigurationen-des-films.de) an der Goethe-Universität, in Kooperation mit der hessischen Film- und Medienakademie.

Alle Vorführungen finden um 20:00 Uhr im Kino des DFF – Deutsches Filmmuseum & Filminstitut (Schaumainkai 41, Frankfurt am Main) statt.

Karten können jeweils auf den Seiten des Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF) gekauft werden.

Kuratiert von Daniel Fairfax und Vinzenz Hediger

Programm:

3. November 2022
Vinzenz Hediger (Frankfurt)
Verkehrt die Welt: Buñuels Le fantôme de la liberté

Gegen die Revolution von 1968 schien sich das Bürgertum rasch behauptet zu haben. Doch in den Nischen und Ritzen der Gesellschaft ging die Revolution weiter – in der Umweltbewegung, der Anti-Psychiatrie, der Schwulenbewegung, und überhaupt in einem neuen Fokus auf die Menschenrechte. Luis Buñuel flankierte diese Diffusion der revolutionären Energie in die Mikropolitiken der sozialen Bewegungen mit 1974 einem frischen Frontalangriff auf das Bürgertum. LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ ist eine Satire von Rabelais’scher Verve und surrealistischer Sprengkraft.

Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe Universität Frankfurt und Ko-Sprecher des Exzellenzprojekts „ConTrust – Vertrauen und Konflikt im politischen Zusammenleben“

Vortrag in deutscher Sprache

Filmvorfühung: LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ, Frankreich/Italien 1974, 104 Min.

17. November 2022
Stefan Zweifel (Zürich)
„Ich habe Sade geliebt“: Surreale Geschichten des Auges vom Marquis de Sade bis Luis Buñuel 

Wie sich die skandalöseste Manuskriptrolle in eine ähnlich skandalisierende Filmrolle verwandelte: 1785 notierte der Marquis de Sade während seiner kerkerhaft in der Bastille 600 Perversionen auf kleine Zettel, die er zu einer 12 Meter langen Rolle zusammenklebte und vor den Gefängniswärtern in einem Dildo versteckte. Diese Zettel wurden Die 120 Tage von Sodom. Seine Nachfahrin Marie-Laure de Noailles erwarb die Rolle im Auftrag der Surrealisten, die Sade als „göttlichen Marquis“ verehrten. Sie hatte in ihrem Stadtpalais in Paris den ersten privaten Kinosaal und finanzierte die Filme von Man Ray und Luis Buñuel. Nach UN CHIEN ANDALOU (1929) krönte Buñuel die Hommagen der Surrealisten (Gedichte, Gemälde, Statuen) mit L’ÂGE D‘OR(1930): Sades Lustmörder aus den 120 Tagen wandeln als Jesus-Gestalten über die Zugbrücke von Schloss Silling. Fetischisierung, Traumlogik und die Schockästhetik durchziehen beide Filme. Der berühmte Schnitt durch das Auge mit der Rasierklinge wurde zur Ikone einer neuen Sehweise der Welt: das Heterogene, das von der homogenisierenden Vernunft verdrängt wird, steigt in Form von Sexualität, Gewalt und Zufall ins Bewusstsein der Moderne.

Stefan Zweifel ist ein Übersetzer (Jean-Jacques Rousseau, Raymond Roussel, Marquis de Sade) und Journalist aus Zürich.

Vortrag in deutscher Sprache

Filmvorführung: UN CHIEN ANDALOU, Frankreich 1929, 21 Min. L’ÂGE D’OR, Frankreich 1930, 63 Min.

8. Dezember 2022
Daniel Fairfax (Frankfurt)
Buñuel in Amerika: The Young One

Während Europa vom Faschismus überrannt wurde, verbrachte Luis Buñuel die Jahre 1938-1945 im Exil in den USA. Trotz seiner Zusammenarbeit mit Iris Barry im Museum of Modern Art waren seine Versuche, einen Film in den USA zu drehen, aber ausnahmslos gescheitert. Erst 1960 bekam er die Gelegenheit, das Land mit THE YOUNG ONE(auch unter dem spanischen Titel LA JOVEN bekannt) kinematographisch zu behandeln. Mit seiner Geschichte eines schwarzen Musikers, der auf einer isolierten Insel im amerikanischen Süden in Konflikte um ein junges weißes Mädchen verwickelt wird, greift THE YOUNG ONEdie rassistischen und sexistischen Strukturen des Jim Crow-Zeitalters mit erstaunlicher Offenheit an. Für diesen in Mexiko gedrehten Film war Buñuel trotzdem nur „in“ Amerika, wie Kafka es war für seinen Amerika-Roman. Sein Blick war derjenige eines Außenseiters, der eine fremde, in vielerlei Hinsicht widerwärtige aber umso faszinierendere Gesellschaft entomologisch studiert. 

Daniel Fairfax ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe Universität-Frankfurt und Autor von The Red Years of Cahiers du Cinéma (1968-1973).

Vortrag in deutscher Sprache

Filmvorführung: THE YOUNG ONE, Mexiko 1960, 95 Min.

15. Dezember 2022
Nicole Kandioler (Wien)
Thaumaturgische Pilger zwischen Gott und Maschine in La Voie lactée

Eine Trilogie über die Suche nach der Wahrheit, nannte Luis Bunuel im Rückblick seine drei Filme LA VOIE LACTÉE (1969), LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (1972) und LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ (1974). Wurde LA VOIE LACTÉE von Kritik und Publikum eher verhalten aufgenommen, bezeichnet ihn Jean-Claude Carrière in der Arte-Dokumentation von Francois Lévy-Kuentz, LE CHARME DISCRET DE LUIS BUÑUEL (2013), als das wichtigste Werk des Filmemachers. In dem Vortrag sollen zwei Aspekte des Schaffens von Luis Buñuel durch die Verengung des Blicks auf LA VOIE LACTÉE diskutiert werden. Einerseits die Verstrickungen von Religion und (cinematischer) Technologie, die im Buñuelschen Diktum vom Kino als thaumaturgischer, das heißt als Wunder bewirkender Maschine, ihren Ausdruck finden. Andererseits die die Bildräume Bunuels motivisch durchwandernde Opposition von Raum und Reise, Stillstand und Bewegung, oder Dokumentarismus und Surrealismus.

Nicole Kandioler ist Film- und Medienwissenschafterin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind (ost-)europäische Medienkultur, Gender Media Studies und dokumentarische Formen.

Vortrag in deutscher Sprache

Filmvorführung: LA VOIE LACTÉE, Frankreich 1969, 101 Min.

26. Januar 2023
Kristoffer Noheden (Stockholm)
Dreams of Desire: Belle de jour, Eros and Surrealist Cinema

In his autobiography, My Last Breath (1982), Luis Buñuel recalls his discovery of the writings of the Marquis de Sade: “I was about twenty-five when I read The 120 Days of Sodom for the first time, and I must admit I found it far more shocking than Darwin.” BELLE DE JOUR (1967) is one of the many films that demonstrate Buñuel’s persistent interest in the bewildering mechanisms of desire. The film was made parallel to a minor wave of surrealist features and in the wake of contemporaneous investigations into desire. The continued significance of desire and sexuality for surrealism was demonstrated by the large international exhibition EROS at the Galérie Daniel Cordier in Paris in 1959–60. The exhibition furthered the movement’s fascination with de Sade, but it also probed desire as a multifaceted phenomenon. Buñuel’s Sadean L’ÂGE D’OR (1930) was screened as part of a film program shown in conjunction with EROS. But perhaps it is BELLE DE JOUR, with its emphasis on a woman’s explorations of eroticism, that is closest in spirit to EROS.

Kristoffer Noheden is a research fellow at Stockholm University, where he also teaches cinema studies and visual studies. He is the author of Surrealism, Cinema, and the Search for a New Myth (2017), and has published extensively on surrealism in art, film and literature.

Vortrag in englischer Sprache

Filmvorführung: BELLE DE JOUR, Frankreich/Italien 1967, 101 Min.

9. Februar 2023
Andrea Gremels (Frankfurt)
Nazarín als „heiliger Exot“ und Figur des kulturell Anderen

Luis Buñuels NAZARÍN (1959) fällt in die mexikanische Phase seines Filmschaffens, in der er beginnt, sich intensiv mit dem Werk von Benito Pérez-Galdós zu beschäftigen, einer der bedeutendsten spanischen Schriftsteller des realistischen Romans im ausgehenden 19. Jahrhundert. Diese Lecture legt ein besonderes Augenmerk auf die Darstellung Nazaríns als „heiligem Exoten“. Buñuels Nazarín ist ein Fremder, der aus Sevilla in die mexikanische Provinz gekommen ist. Die Naivität, die Buñuels Hauptfigur so oft bescheinigt worden ist, lässt sich also nicht nur darauf zurückzuführen, dass sein frommer Idealismus im eklatanten Kontrast zur gesellschaftlichen Realität der unteren Schichten steht. Vielmehr richtet er durch sein Handeln deswegen Unheil an, weil er gänzlich blind ist für die soziokulturellen Codes und ungeschriebenen Regeln von Machismo, Klientelismus und Spiritismus, wie sie in der mexikanischen Populärkultur vorherrschen. Die Gewalt, Erotik und religiöse Ekstase, die Nazarín ungewollt ausgelöst, stehen im Zeichen von Buñuels surrealistischem Interesse an der Vorherrschaft des Unbewussten, die er auch in sein realistisches Kino der mexikanischen Phase einschreibt.

Andrea Gremels ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für romanische Sprachen und Literaturen der Goethe-Universität Frankfurt. Ihre Schwerpunkte sind die französischen und lateinamerikanischen Literaturen und Kulturen des 20. Jahrhunderts, transkulturelle Studien und Migrationsliteraturen sowie der internationale Surrealismus.

Vortrag in deutscher Sprache

Filmvorführung: NAZARÍN, Mexico 1959, 94 Min.

16. Februar 2023
Javier Herrera-Navarro (Frankfurt)
Buñu-Él: Autobiography of the Entomological Gaze

ÉL (1953), based on an autobiographical work by the Spanish author Mercedes Pinto, is perhaps the film that contains the most autobiographical traits for Buñuel, while also expressing, with a great poetic intensity, his thinking on the notion of man as being a socially conditioned insect. This is a film that encapsulates his theories on psychological documentation with such perfection that it was used by Jacques Lacan in his seminars. At the same time, it expresses, in a diaphanous manner, the theory of jealousy from within a specifically Latin and Spanish cultural tradition. All these questions, along with the specifically cinematographic aspects of the film, will be addressed in this presentation.

Javier Herrera Navarro is a doctor in art history and a state archival librarian, and has cared for Luis Buñuel’s archives. Author of Estudios sobre Las Hurdes de Buñuel (2006) and Luis Buñuel en su archivo: de Los olvidados a Viridiana (2015), he is currently completing the first volume of Buñuel Lector.

Vortrag in spanischer Sprache mit Übersetzung

Filmvorführung: ÉL, Mexiko 1953, 92 Min.

13. April 2023
Fernando Gonzalez de Leon (Springfield)
Viridiana: Interpreting Buñuel’s Gothic Masterwork

Many leading film critics now concur that VIRIDIANA (1961) is not only one of Luis Buñuel’s greatest works, but also one of the most important films in the history of this modern art form.  Even though this director was notoriously reticent in declaring or clarifying his intentions in this or any other film, there is also a certain level of critical consensus around the artistic current to which it belongs, surrealism. However, in addition to a consideration of the film as a surrealist work, we can consider other perspectives on VIRIDIANA: literary, ideological, political, religious, philosophical and ethical. This lecture will entertain multiple points of view, not necessarily mutually exclusive but based on the spectator’s experience with the movie as well as on biographic and historic scholarship. These perspectives will include considering VIRIDIANA as a classic, almost canonical, Gothic film rooted in Buñuel’s early years of apprenticeship, artistic preferences, and certain filmic currents of the 1950s and 60s. This can allow us to evaluate the place of VIRIDIANA in Buñuel’s total corpus as well as in his overall reputation as a major 20th century director.

Fernando Gonzalez de Leon is associate professor of history at Springfield College in Massachusetts, specializing in Spanish and European social and cultural history and on the connections between the Spanish-speaking world and British and American cultures.

Vortrag in englischer Sprache

Filmvorführung: VIRIDIANA, Frankreich 1969, 101 Min.

27. April 2023
Gaston Lillo (Ottawa)
Melodrama in El Bruto: An Aesthetics of Astonishment

Among the roughly twenty films that Buñuel made during the course of his Mexican period, some, like LOS OLVIDADOS (1950), EL ÁNGEL EXTERMINADOR (1962) and NAZARÍN (1959), have enjoyed a positive critical reception and won international prizes, contributing to the director’s prestigious image. However, other films from this time, such as EL GRAN CALAVERA (1949), SUSANA (1951) and EL BRUTO (1953), were considered as films made “for pecuniary reasons”, containing “inexplicable concessions” and “without great aesthetic interest”. On the basis of the reevaluation which the melodrama has undergone in recent years (thanks in part to the writings of Peter Brooks) and the growing theoretical interest in the importance of the affective dimension of texts, I will show how EL BRUTO uses the narrative and thematic resources of the melodrama outside of a pejorative, mocking ethos, typical of irony, while pointing towards an ethical and ideological horizon contrary to that which characterized the Mexican melodrama films of the era. At the same time, I will show that the film, through its “emotional pull”, activates mechanisms of subjectivation which distance it from the subjective interpellation of the then dominant Mexican discourse.

Gaston Lillo is professor of modern languages and literatures at the University of Ottawa.

Vortrag in französischer Sprache mit Übersetzung

Filmvorführung: EL BRUTO, Mexiko 1953, 83 Min.

4. Mai 2023
Martin Seel (Frankfurt)
Vom Hochmut der Demut: Askese und Eitelkeit in Simón del desierto

SIMÓN DEL DESIERTO (1965) ist der letzte, kürzeste und wohl verrückteste der Filme aus Buñuels mexikanischer Schaffensperiode. Ursprünglich als Auftakt eines dreiteiligen Episodenfilms mit verschiedenen Regisseuren konzipiert, der aber nicht zustande kam, huldigt Buñuel auch hier seinem Faible für eine Subversion und Verwandlung religiöser Motive. Er nimmt die historische Figur des ersten christlichen Säulenheiligen Symeon Stylites des Älteren aus dem 5. Jahrhundert zum Anlass eines frivolen Spiels mit dem Begehren einer als Extremsport betriebenen Askese mitsamt den Versuchungen, denen sie ausgesetzt ist. Im Widerspiel von Entrückung und Verzückung entwickelt sich eine veritable Komödie der Entsagung, die mit einem spektakulären Sprung in die profanen Ekstasen der Gegenwart endet.

Martin Seel ist ein deutscher Philosoph und emeritierter Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt. Er ist der Autor von zahlreichen Büchern, darunter „Hollywood“ ignorieren: Vom Kino.

Vortrag in deutscher Sprache

Filmvorführung: SIMÓN DEL DESIERTO, Mexiko 1965, 45 Min. LAS HURDES: TIERRA SIN PAN, Spanien 1933, 27 Min.

11. Mai 2023
Dudley Andrew (New Haven)
Buñuel as Delinquent Director: Los Olvidados

LOS OLVIDADOS (1950) was the third feature Luis Buñuel made after having left Europe during the Franco takeover of Spain, and it was the first over which he had real control.  Considered a nasty national portrait in Mexico, it gained stupendous acclaim on the continent, where it was championed by André Bazin, with whom he would form a fast friendship. My talk distinguishes Bunuel’s film by interrogating its subject, delinquency.  I will treat delinquency less as a theme in world cinema than as a goad and challenge to directors from De Sica to Truffaut. LOS OLVIDADOS maintains the central position here since Buñuel might be termed a delinquent director, only partially reformed and re-educated to enter civilized society, let alone the bourgeoisie. Buñuel’s pitiless and satiric tone was not reserved for the clergy, the military, and the upper classes; it extended to social institutions and empathetic individuals serving the betterment of the downtrodden. His cinema would not be tamed or compromised, since cinema to him was instinctual and amoral. That’s why, as filmed by Bunuel, its repellent aspects make LOS OLVIDADOS a work that retains its razor-sharp edge to slice the sensibility of even sophisticated and jaded viewers seventy years after it premiered.

Dudley Andrew is Professor Emeritus of Comparative Literature and of Film Studies at Yale. Biographer and translator of André Bazin, he has authored What Cinema Is! and edited Opening Bazin.

Vortrag in englischer Sprache

Filmvorführung: LOS OLVIDADOS, Mexiko 1950, 85 Min.

25. Mai 2023
Pietsie Feenstra (Montpellier)
„Spanish Cinematographic Memories“ and Space: Bunuel’s El ángel exterminador

Having left his native Spain after the Civil War (1936-1939), Buñuel spent many years in exile in Mexico. Like the film VIRIDIANA (1961), EL ÁNGEL EXTERMINADOR (1962) was produced at the end of his Mexican period, and in co-production with Spain. His return to Spain and the creation of VIRIDIANA were not received with open arms and one year later he directed this striking film about an angel who leaves a place. Is this place the house in the film or Spain itself? EL ÁNGEL EXTERMINADOR is fascinating because of the way it uses space. Two sites can be distinguished: an inside and an outside. The scene inside the house has been studied as a huis clos (a room with no exit), but I would like to focus on the “outsider” perspective. Can we compare this film to some central tendencies represented by a “cinematographic memory” of Spanish cinema? How do the opening and final credits refer directly to the period of the 1960s during the Francoist regime (1939-1975)?

Pietsie Feenstra is professor in the department of cinema, audiovisual studies and new media at the Université Paul-Valéry Montpellier 3.

Vortrag in englischer Sprache

Filmvorführung: EL ÁNGEL EXTERMINADOR, Mexiko 1962, 93 Min.

1. Juni 2023
Marie Rebecchi (Aix-en-Provence)
Film Surréaliste: The Indiscreet Charm of Disgust 

Present in Buñuel‘s films from L’ÂGE D’OR (1930) on, the relations between disgust, perversion and food begin to appear increasingly insistently in the 1960s, when the director shot VIRIDIANA(1961). In this film it was the iconographic structure of Leonardo da Vinci’s Last Supper that was perverted: Buñuel repeated the arrangement of the apostles, but replaced them with a brutal group of irate beggars and lepers. In the 1970s the themes of disgust, excess, perversion and pleasure taken to fatal extremes became increasingly frequent in European cinema. Like Bertolucci’s LAST TANGO IN PARIS (1972) and Marco Ferreri’s LA GRANDE BOUFFE (1973), Buñuel’s THE DISCREET CHARM OF THE BOURGEOISIE(1972) sublimates and replaces the occurrence of the event itself. The dinner planned by the characters is constantly postponed by a series of blunders, while also constantly evoked through the discussion of the various dishes and drinks that are to be consumed (like the unforgettable comments on how to make a dry Martini, or on drinking red wine with fish), in an absurd repetition compulsion that holds together a group of perverse and corrupt bourgeois.

Marie Rebecchi is associate professor in aesthetics and film history at the Université de Aix-Marseille and author of the book Paris 1929. Eisenstein, Bataille, Buñuel.

Vortrag in englischer Sprache

Filmvorfühung: LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE, Frankreich/Italien 1972, 101 Min.

22. Juni 2023
Jordi Xifra (Barcelona)
Tristana: The Impulse of Memory and Reputation

It is no exaggeration to state that TRISTANA (1970) is a film that works like a shock. Suddenly, when it looks like it’s heading towards a canonical conclusion, Buñuel suspends his complacency and leaves the audience in a state of astonishment, undermining any sense of certainty. We receive a shock that dilutes what we had understood, imposing itself on us as if everything in it were yet to be comprehended. This refers of course, to the series of images at the end of the film that rewinds the story, redirecting it again to the beginning. A set of images offered to us as a final coda whose meaning is hard to grasp: is it the exception that proves the rule? During the film, other moments provoke in the audience the same effect. What do those enunciative gestures bring about? What meaning can we attribute to them? What link do they have with the rest of Buñuel’s films? This presentation will try to answer these questions with the aid of Gilles Deleuze’s concept of the impulse-image.

Jordi Xifra is professor of the Department of Communication at Pompeu Fabra University (Barcelona) and director of Centro Buñuel Calanda, the foundation devoted to promote and preserve the life and work of Luis Buñuel. He has edited the conversations of Max Aub and Buñuel, and Buñuel’s complete literary works.

Vortrag in englischer Sprache

Filmvorführung: TRISTANA, Mexiko 1970, 94 Min.

29. Juni 2023
Arnaud Duprat (Rennes)
Conchita in Cet obscur objet du désir: A Heroine of Testamentary Dimensions?

This lecture will reflect on Buñuel’s last film, CET OBSCUR OBJET DU DÉSIR (1977), with an emphasis on its testamentary dimension. After some remarks on the adaptation of Pierre Louÿs’ novel, La femme et le pantin (1898), that Buñuel wrote with Jean-Claude Carrière in the mid-1970s, we will focus on the creation of the heroine Conchita. Triply incarnated (by Carole Bouquet and Ángela Molina on the screen, and Florence Giorgetti on the soundtrack), this female character oscillates between a cartoonish vision of a hot-tempered Spanish woman and the embodiment of ideological values recalling certain surrealist principles. This return to the founding movement of Luis Buñuel’s art ­­– at times in a disabused manner, with its representation of a society where scandal is no longer possible – will allow us to envisage CET OBSCUR OBJET DU DÉSIR, through the prism of its heroine, as a testamentary work. Thanks to the enigma surrounding Conchita, Buñuel leads to spectator to seek out the truth in a film where an abundance of symbols serve not to clarify the plot but instead to explode meaning in a typically surrealist manner.

Arnaud Duprat is associate professor at the Université Rennes 2. He is the author of the book Le dernier Buñuel and is preparing a book on the links between Buñuel and French cinema.

Vortrag in französischer Sprache mit Übersetzung

Filmvorführung: CET OBSCUR OBJET DU DÉSIR, Frankreich/Spanien 1977, 103 Min.